Produzent Sven Clausen präsentiert mit "Protectors - Auf Leben und Tod" nach "Unit One" und "Der Adler" eine weitere Polizeiserie mit aktuellem Bezug. Über das Erfolgsrezept der neuen Krimireihe sowie ihre Besonderheit spricht der Däne im Interview mit dem ZDF.
ZDF: Was glauben Sie, macht den Reiz der Serie aus?
Sven Clausen: Stärke und Faszination der "Protectors" hängen meiner Meinung nach von zwei Punkten ab: Die Geschichten der Serie sind absolut "up to date". Sie sind sehr realistisch und bilden das ab, was heutzutage wirklich passiert. Die Serie zeigt die notwendigen Schritte, die gegangen werden müssen, um die Demokratie zu schützen und Gewalt und Verbrechen zu bekämpfen. Das zweite ist die Sprache, mit der wir die Geschichten erzählen. Sie ist sehr dokumentarisch und somit besonders nah am Zeitgeschehen. Wir wollten mit der Serie auch aufmerksam machen auf die Hintergründe von Terrorismus und Gewalt.
ZDF: Glauben Sie, dass diese Realitätsnähe ein möglicher Indikator für den Erfolg der Serie ist?
Clausen: Das ist ein Teil des Ganzen. Wir sind im Unterhaltungsgeschäft, deshalb muss eine Serie nicht nur realistisch, sondern auch unterhaltsam sein. Ein gutes Drehbuch sollte zwei Dinge haben: Erstens muss es faszinieren und zweitens muss sich der Zuschauer mit den Geschichten oder den Personen identifizieren. Auch das Motiv Angst kann dabei eine Rolle spielen. Und die Angst vor internationalem Terrorismus geht um.
Tagtäglich liefern die Nachrichten neue Schreckensmeldungen von Anschlägen und Selbstmordattentaten. Auf dieser Ebene holen wir die Zuschauer ab. Andererseits bestand natürlich die Gefahr, dass wir mit dem Nachrichten-Overkill und der daraus entstehenden Angst auch Zuschauer fernhalten. Die guten Quoten in Dänemark haben aber gezeigt, dass die Serie fasziniert und die Identifikation der Zuschauer geklappt hat.
ZDF: Warum sind die skandinavischen Serien so erfolgreich in Deutschland? Mögen wir Deutschen die skandinavische Mentalität besonders gerne?
Clausen: Das könnte ein Teil der Antwort sein. Der andere Teil ist, dass sich aktuell ein ganz neuer Stil entwickelt hat. Ich denke, dass sich die dänischen und einige schwedische Produktionen immer weiter von den klassischen Fernsehdramen entfernen und vielmehr den modernen Kinofilm-Formaten annähern. Aus meiner Sicht ist der Anspruch der Zuschauer an qualitativ hochwertige Filme größer geworden. Die Qualität, wie man Geschichten erzählen kann, hat sich immer mehr gesteigert. Es ist ein spannender Wettlauf und immer noch eine Herausforderung, diesen Qualitätsanspruch der Zuschauer zu befriedigen.
ZDF: Worin unterscheiden sich die Serien "Unit One", "Der Adler" und "Protectors"?
Clausen: Wir haben versucht, drei unterschiedliche Serien über moderne Polizeiarbeit zu produzieren. In "Unit One" geht es um authentische Mordfälle der vergangenen zehn Jahre. Die Spezialeinheit "Unit One" wird immer dann gerufen, wenn die normale Polizeiarbeit an ihre Grenzen stößt. "Der Adler" hat uns gezeigt, wozu Menschen fähig sind, wenn es um Geld und Macht geht. In großer Geschwindigkeit wächst die europäische Staatengemeinschaft zusammen - eine vollkommen neue Grenzsituation, die eine neue Art der Verbrechensbekämpfung erforderlich macht.
So wurde in Kopenhagen in Zusammenarbeit mit Europol und Interpol eine Spezialeinheit der Polizei ins Leben gerufen, die international agierende Verbrecher- und Terroristengruppen bekämpfen soll. In "Protectors" geht es um die Menschen, die sich dafür entschieden haben, mit außerordentlicher Leidenschaft die Demokratie zu schützen. In Zeiten des internationalen Terrorismus ist das Leben von Politikern, Industriellen und anderen VIPs besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Zu ihrem Schutz riskieren die Personenschützer ihr Leben. Für sie würden sie sich auch in den Kugelhagel werfen. Wir haben in den Serien verschiedene Wege der Polizeiarbeit aufgezeigt, die der Gesellschaft dienen und sie vor Verbrechen schützen können.